Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Rheinland-Pfalz e.V.
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Seite drucken   Aktuelles  |  Meldungen  |  13.06.2014

Fünfköpfige Delegation der DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich gGmbH zum Besuch in Norwegen  
© DRK-Sozialwerk
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DRK Sozialwerk Bernkastel-Wittlich gGmbh zu Besuch in Norwegen

In den Werkstätten ASVO Notteroy AS -einer Werkstatt für behinderte Menschen aus Notteroy (Norwegen)- informierten sich zwei Tage lang Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DRK-Sozialwerks in Bernkastel-Kues über deren Arbeit.


Nøtterøy/Bernkastel-Kues: Vom 20.- 23. Mai 2014 informierten sich fünf Mitarbeiter/innen der DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich gGmbH über das Werkstattsystem in Norwegen und kamen so der Einladung ihrer norwegischen Kollegen nach, die im Mai 2013 Eindrücke über das deutsche System in Bernkastel-Kues gesammelt haben (siehe TV vom 17. Mai 2013 und 26.07.2013, bzw. http://www.lag-wfbm-rlp.de/index.php?SiteID=47&News=123)
Dass ein Gegenbesuch in Norwegen stattfinden würde, war sofort allen Beteiligten klar und so dauerte es auch nur ein Jahr um diesen in die Tat umzusetzen. Außer der Chance das wunderschöne Norwegen kennenzulernen, stand die Reise ganz im Zeichen des bilateralen Austausches in Bezug auf die Arbeit mit behinderten Menschen im Kontext von Arbeit und Rehabilitation. Auf dem Programm standen Besichtigungen von Betrieben, die ähnlich wie Werkstätten in Deutschland verschiedenste Produkte produzieren und vermarkten. So konnte man bei ASVO Nøtterøy die Arbeitsbereiche Holz, Textil und Catering kennenlernen, bei Jobbintro in Horten die Bereiche Obstvermarktung, Landwirtschaft, Textilverarbeitung und Aktenvernichtung und in einem weiteren Betrieb Fønix in Nauen, eine Schreinerei und eine Bäckerei, die sich auf den Bereich glutenfreier Backwaren spezialisiert hat. Ein vierter Betrieb mit dem Namen Velle Utvikling AS, der in der größten Stadt dieser Region, Tønsberg besichtigt wurde, arbeitet hauptsächlich im Bereich Metall und das sehr industrienah. Beispielsweise werden dort Kofferraum-Boxen zur Waffenaufbewahrung in Polizeiautos hergestellt. Zusätzlich zu den sehr interessanten Betriebsbesichtigungen wurden Präsentationen gezeigt, die die Kooperationsformen, die Finanzierungsarten und allgemeinen sozialpolitischen Zusammenhänge in Norwegen darstellten. Es wurde ein Treffen mit dem Bürgermeister der Kommune Notteroy, Roar Jonstang und einer Vertreterin der Arbeitsverwaltung NAV Berit S. Brygaard, sowie Herrn Kurt Orre, Vor-standsvorsitzender von ASVO organisiert, bei dem ein lebhafter Austausch der ver-schiedenen Systeme diskutiert wurde. Zu allen Vorträgen und Präsentationen stellten die norwegischen Kollegen eine Dolmetscherin zur Verfügung, so dass eine gelingende Kommunikation gesichert war. Des Weiteren muss erwähnt werden, dass man sehr warmherzig und offen empfangen wurde und dass die Gastfreundlichkeit und Großzügigkeit der Gastgeber keine Wünsche offen ließen. Das Rahmenprogramm zur Erkundung dieser wunderschönen Region und das Kennenlernen der Kultur und Geschichte hinterließen zudem bleibende Eindrücke.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass in Norwegen ein starker Fokus auf berufliche Bildung gelegt wird und dass der Inklusionsgedanke scheinbar einen großen Schritt weitergedacht ist, als in Deutschland. In Norwegen gibt es z.B. schon längere Zeit keine „Sonderschulen“ mehr, sondern bereits im Schulsystem ist die Inklusion und Integration fester Bestandteil. Die Einrichtungen und Betriebe sind nicht nur ausgerichtet auf behinderte Menschen, sondern auch offen für Jugendliche, die keine Ausbildung haben und Schwierigkeiten sich ins Arbeitsleben zu integrieren, oder Menschen, die zugewandert sind. Hierbei entstand der Eindruck, dass es in Norwegen etwas unbürokratischer und flexibler mit der Umsetzung von Maßnahmen und Projekten gehandhabt wird. Die Anzahl der Teilnehmer der jeweiligen Maßnahmenwird von den Kommunen festgelegt und eine Überbelegung ist nicht möglich. Das heißt, dass viele betroffene Menschen warten müssen, bis sie eine Maßnahme beginnen können.
Aufgefallen ist weiterhin der sehr gute Personalschlüssel in den Gruppen (1:5) und die Größe der einzelnen Betriebe, die jeweils nicht mehr als ca. 80 Menschen zu betreuen haben.
Dem entgegengehalten werden muss allerdings die Tatsache, dass es in Norwegen nach wie vor keinen gesetzlichen Anspruch auf die Teilhabe am Arbeitsleben gibt. So ist aufgefallen, dass in den besichtigten Betrieben wenig schwerbehinderte Menschen bzw. schwerst-, mehrfachbehinderte Menschen vorzutreffen sind, so wie man sie in Deutschland aus den Förder- bzw. Entlastungsgruppen kennt.
Ein Vergleich zwischen Deutschland und Norwegen ist immer ein schwieriger, zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen (z.B. 80 Millionen vs. 5 Millionen Einwohner), um aussagekräftige Ergebnisse festhalten zu können. Was bleibt ist die Feststellung, dass die Systeme sich in vielen Bereichen ähneln und in anderen wiederum sehr unterscheiden. Die Quintessenz in allen Diskussionen und Gesprächen war jedoch, dass man vieles voneinander lernen kann und dass ein solcher Austausch sehr fruchtbar für beide Seiten ist. Beiden Seiten wünschen eine Intensivierung dieses internationalen Austausches, man will die gewonnenen Eindrücke nicht versanden lassen. Nächste Besuche sind bereits in der Planung!


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