Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Rheinland-Pfalz e.V.
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Seite drucken   Aktuelles  |  Meldungen  |  11.11.2015

Von links: Viktor Wilpert Piel, IHK für Rheinhessen in Mainz, Avdija Avdic, Ute Michel-Wickert, Berufsbildungsbereich der Zoar-Werkstätten Heidesheim, Robin-Cyril Link, Victor Commichau, Berufsbildungs- und Integrationsservice der Zoar-Werkstätten Heidesheim, Saskia Laureen Vacante und Thomas Kreck-Hövel, Werkstattleiter der Zoar-Werkstätten Heidesheim. 
© Zoar
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Drei Fachhelfer für den Einsatz in Sozialeinrichtungen mit IHK-Zertifikaten ausgezeichnet

Modellprojekt „Unterstützte Qualifizierung durch qualifizierte Unterstützung“ trägt erste Früchte

Ingelheim/Heidesheim. Selbstbewusst und zuversichtlich schauen Saskia Laureen Vacante (20), Robin-Cyril Link (29) und Avdija Avdic (21) in die Zukunft. Die drei jungen Menschen mit Beeinträchtigung haben sich entschlossen, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten und nicht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM). Sie haben sich im Rahmen einer berufsbegleitenden Qualifizierung zum Fachhelfer in Sozialeinrichtungen fachlich weitergebildet und nahmen dafür die Glückwünsche von Marion Sölter vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz in Mainz entgegen.
Der Weg heraus aus den Werkstätten kann beispielsweise über einen IHK-Zertifikatslehrgang führen. Entwickelt wurde die an den jeweiligen Arbeitsplatz angepasste berufliche Qualifizierung von den Zoar-Werkstätten Heidesheim in Kooperation mit der IHK für Rheinhessen. Das zugrunde liegende Modellprojekt nennt sich „Unterstützte Qualifizierung durch qualifizierte Unterstützung“. Die berufliche Bildungsmaßnahme wird zum größten Teil in Partnerbetrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts durchgeführt.
Fit für die Arbeit im sozialen Bereich
Bevor die drei Lehrgangsabsolventen im Mehrgenerationenhaus in Ingelheim das IHK-Zertifikat von Viktor Wilpert Piel, Leiter des Geschäftsfelds Weiterbildung der IHK für Rheinhessen in Mainz, und Thomas Kreck-Hövel, Leiter der Zoar-Werkstätten in Heidesheim, entgegen nahmen, zeigten sie mit einer Präsentation und in einem Fachgespräch, was sie in den vergangenen Monaten in ihren Betrieben und während der arbeitsbegleitenden Unterrichtseinheiten gelernt haben. „Die Absolventen haben tolle Vorträge präsentiert“, lobte der IHK-Vertreter. „Sie haben deutlich gemacht, dass sie es verstehen, das erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen. Sie sind fit als Fachhelfer in Sozialeinrichtungen und mit dem IHK-Zertifikat, das bundesweit gültig ist, haben sie gute Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt“, sagte Piel. Das Zertifikat lenke den Blick weg von der Einschränkung hin zu den Kenntnissen und Fähigkeiten, die auf dem ersten Arbeitsmarkt gesucht werden.
Waren lagern, Speisen und Getränke anrichten und servieren, Wohnräume, Funktionsbereiche und Textilien fachgerecht reinigen und pflegen, das Fachpersonal unterstützen; das sind einige der Inhalte der beruflichen Qualifizierung, die den angehenden Fachhelfern in Sozialeinrichtungen vermittelt wurden. Das Wissen fiel bei den drei Absolventen auf fruchtbaren Boden. Robin-Cyril Link arbeitet seit Jahren im Rahmen eines ausgelagerten Werkstattarbeitsplatzes in der Jugendherberge Bingen. Es war sein Wunsch, sich durch die IHK-zertifizierte berufliche Bildungsmaßnahme weiter zu qualifizieren. Saskia Laureen Vacante durchläuft seit einem Jahr eine Berufsbildungsmaßnahme und arbeitet in der Hauswirtschaft im Stift St. Martin in Bingen, einer Einrichtung der Altenhilfe. Sie ist wie Robin-Cyril Link nach der Beendigung des Lehrgangs weiter über die Zoar-Werkstätten Heidesheim beschäftigt. Avdija Avdic ist zum 1. November bei den Zoar-Werkstätten Heidesheim ausgeschieden. Er hat eine sozialversicherungspflichtige Anstellung bei der Stadt Ingelheim erhalten und wird wie bisher im Mehrgenerationenhaus tätig sein.

Ersten IHK-Zertifikatslehrgang weiterentwickelt
„Wir verstehen unsere Werkstatt als innovative, berufliche Rehabilitationseinrichtung mit vielfältigen Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben“, so Thomas Kreck-Hövel. Er dankte den Partnerbetrieben, die sich gerne vom Engagement und der Leistungsbereitschaft des Einzelnen überzeugen lassen. So haben sich die Stadt Ingelheim mit dem Mehrgenerationenhaus, das Stift St. Martin und die Jugendherberge in Bingen auf die Praktikanten eingelassen und Menschen mit Beeinträchtigung die Chance gegeben, sich im Sinne von „Training on the job“ in das jeweilige Arbeitsfeld einzufinden. Sein Dank galt insbesondere Viktor Wilpert Piel von der IHK für Rheinhessen für die Unterstützung und engagierte Begleitung der Zertifikatslehrgänge.
Für den ersten IHK-Zertifikatslehrgang „Fachwerker/in für Lagerorganisation“ wurden die Zoar-Werkstätten Heidesheim von der Landesregierung und dem Landesbeirat für Weiterbildung in Rheinland-Pfalz mit dem Weiterbildungspreis 2014 ausgezeichnet. Außerdem wurde der Zertifikatslehrgang im April 2015 von der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für Behinderte Menschen mit dem „exzellent-Preis“ in der Kategorie Bildung gewürdigt. „Wir haben den Grundgedanken des IHK-Zertifikatslehrgangs weiterentwickelt und das Konzept ‚Unterstützte Qualifizierung durch qualifizierte Unterstützung‘ geschaffen“, erklärt Thomas Kreck-Hövel. „Dieses Konzept sieht vor, dass Menschen mit Behinderung ihre Berufsbildungsmaßnahme nicht in der Werkstatt durchlaufen, sondern in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts. Dies geschieht unter Berücksichtigung der Neigungen und Fähigkeiten des Menschen mit Behinderung sowie den Anforderungen und Bedürfnissen des Betriebes. Das Besondere daran ist, dass wir gemeinsam mit dem Partnerbetrieb und dem Klienten eine arbeitsplatzbezogene Qualifizierung anbieten, die mit einem IHK-Zertifikat abschließt“, erklärt Kreck-Hövel.

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