Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Rheinland-Pfalz e.V.
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Seite drucken   Aktuelles  |  Meldungen  |  17.10.2016

Frau Sessinghaus 
© Zoar Heidesheim
© Zoar Heidesheim 

Zoar-Werkstätten Heidesheim

Hermes-Paketshop sorgt für Kundenzulauf

Seit Januar 2016 ist das Dienstleistungsangebot in den Zoar-Werkstätten noch einmal ergänzt worden; und zwar durch einen Hermes-Paketshop. Nun kommen die Kunden, durchschnittlich zehn am Tag, auf das Gelände der Zoar-Werkstätten Heidesheim, um ihre Hermes-Pakete abzugeben. Der Hermes-Paketshop, der werktags von Hermes-Paketfahrern angefahren wird, ist dem Bereich „Kunst & Gewerbe“ innerhalb der Zoar-Werkstätten Heidesheim angegliedert. Vier Beschäftigte aus diesem Arbeitsbereich kümmern sich um dieses neue Geschäftsfeld: Johann Scheiba, Uta Sessinghaus, Martina Michels und Thomas Stumpf. Zuvor wurden sie ein halbes Jahr auf der Grundlage Pädagogischer Systeme, eine Systematik für die Gestaltung von Lernprozessen, geschult und auf den Umgang mit den externen Kunden vorbereitet. „Wir haben eine Arbeitsanweisung mit Bildern und kurzen Texten erstellt“, berichtet Matthias Mathes, Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung in den Zoar-Werkstätten Heidesheim. „Diese dient als Gedächtnisstütze, vor allem dann, wenn mal besondere Kundenwünsche erfüllt werden müssen.“

Der Versand: eine interessante Zusatz-Aufgabe

Alles begann damit, dass der Hermes-Paketshop im Stadtzentrum von Heidesheim geschlossen wurde. Der Grund: Das Geschäft „Schreibwaren Kraft“ zog um, übernahm die „Deutsche Post“ und somit DHL und gab Hermes auf. Zudem wurde auch der Hermes-Paketshop im benachbarten Wackernheim geschlossen. „Insofern sahen wir einen dringenden Kundenbedarf“, erklärt Werkstattleiter Thomas Kreck-Hövel. „Außerdem hat auch diese Aktion ein inklusives Ziel, nämlich für die Kunden Anreize zu schaffen, auf unser Betriebsgelände zu kommen, um Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.“ Auf diese Weise werde zunehmend Normalität geschaffen, wo früher Sonderwelten herrschten. Die für den Hermes-Paketshop zuständigen Menschen mit Beeinträchtigung sind begeistert von ihrer neuen Zusatz-Aufgabe. Alle vier sind sich darüber einig, dass die meisten Kunden nett und höflich und auch nachsichtig sind, wenn es mal etwas länger dauert. Uta Sessinghaus hatte es auch schon mal mit einem sehr ungeduldigen Kunden zu tun. „Er war unfreundlich und hat mir vermittelt, dass ich mich ungeschickt anstelle.“ Das jedoch ist die absolute Ausnahme. Wichtig ist auch, dass bei Problemen jedweder Art immer ein Zoar-Mitarbeiter in der Nähe ist oder über telefonische Erreichbarkeit schnell zur Stelle sein kann. Dies dient dem Sicherheitsgefühl der Beschäftigten, zum Beispiel, wenn es Probleme mit der Technik gibt und/oder ein Kunde mit einem zu großen Paket beziehungsweise diversen Sonderwünschen kommt.
Viele Kunden kommen gern immer wieder

Viel Umsatz wirft der Hermes-Shop nicht ab. Pro Paket erhalten die Zoar-Werkstätten in Heidesheim 40 Cent. Durchschnittlich werden monatlich 200 Pakete dort abgegeben. Ziel ist es, weiterzuwachsen. „Eine Paketzahl von rund 300 wäre denkbar“, so Matthias Mathes. „Für die Beschäftigten aus dem Bereich ‚Kunst & Gewerbe‘ ist es eine andere Form der Beschäftigung, die dafür sorgt, dass der Arbeitsalltag abwechslungsreicher wird.“ Dies empfindet auch Johann Scheiba so, der zwar am liebsten töpfert, trotzdem aber auch für den Hermes-Paketshop im Nebenraum zuständig ist. „Wenn ich gerade mit Ton arbeite und dann ein Kunde mit einem Paket in den Laden kommt, muss ich mir erst meine Hände waschen, bevor ich das Paket annehme“, erklärt er die Arbeitsabläufe. Wenn er in seiner Arbeitsschürze den Kunden entgegentritt, sind die meisten bereits an diese Begrüßung gewöhnt. Denn oft kommen Stammkunden in den Shop, wie zum Beispiel Wally Hiebler aus Heidesheim. „Hier im Laden herrscht immer eine ruhige und gelöste Atmosphäre“, sagt sie. „Ich komme gern hierher, und ich freue mich jedes Mal über einen kleinen Plausch.“ Sie findet es
bewundernswert, was Menschen mit einer Beeinträchtigung zu leisten in der Lage sind und ist der Meinung, dass es viel mehr solcher Geschäftsmodelle geben sollte. Auch Evgenij Winter, der seine Pakete gern auf dem Weg zur Arbeit abgibt, ist zufrieden mit dem Service im neuen Hermes-Paketshop auf dem Zoar-Gelände. „Hier kann man auch viel besser parken, als beim früheren Hermes-Paketshop mitten in der Stadt“, freut er sich. Der Laden lag zwar zentral, „die Parksituation dort war aber katastrophal“. Evgenij Winter findet das neue Angebot der Zoar-Werkstätten gut und lobt den Service: „Ich komme oft mit Internet-Paketscheinen, von denen der QR-Code eingelesen werden muss“. Dies ist für die Beschäftigten etwas anspruchsvoller, „da man sich mithilfe des Scanners durch einige Untermenüs klicken muss“, so Mathes. Am einfachsten zu bearbeiten sind die kostenfreien Rücksendungen. „Wenn Leute zum Beispiel Kleidung bestellt haben, die nicht passt oder nicht gefällt“, erklärt Uta Sessinghaus. In diesem Fall kommt auch kein Bargeld ins Spiel.

Pakete abgeben und Zoar-Produkte einkaufen

Paketfahrer Marc Fetsch fährt auf seiner rund 110-Kilometer-Route in und um Heidesheim und Ingelheim 18 Hermes-Shops an. Einer davon ist der Paket-Shop auf dem Gelände der Zoar-Werkstätten Heidesheim. „Für mich ist das normal“, erklärt er sein Verständnis von Inklusion. Und dann erzählt er von sich: „Ich bin in einer Wohngruppe für schwer erziehbare Jugendliche aufgewachsen“. Daraus macht er keinen Hehl. Nun arbeitet er seit fast vier Jahren als Hermes-Paketfahrer, lebt mit seiner Freundin in einer gemeinsamen Wohnung und fühlt sich in der Gesellschaft angekommen. Er selbst hat eine Chance bekommen und wünscht sich das auch für andere Menschen, besonders für die, die eine Beeinträchtigung haben. „Mit diesem Angebot haben wir nicht nur eine neue interessante Aufgabe innerhalb der Werkstätten geschaffen, sondern auch einen zuverlässigen Dienstleistungsservice für Heidesheim und Umgebung“, berichtet Michael Dönges, Betriebsleiter Technik der Zoar-Werkstätten Heidesheim. Der geschäftliche Austausch mit Hermes funktioniere reibungslos. Gestellt wurden ein Drucker, Scanner, Plakat-Aufsteller, Werbeplakate und -flyer sowie Schulungsunterlagen. Von Vorteil ist die unmittelbare Verbindung von Hermes-Paket-Shop und Zoar-Kunstgewerbe. „So nehmen wir Neukunden-Kontakt auf und machen auf unsere kunstgewerblichen Produkte aufmerksam“, sagt Betriebsleiter Dönges.

Bekanntheitsgrad von Zoar wächst

„Die Holzsachen von Zoar sind unheimlich schön“, meint Andrea Mallmann, die in Heidesheim wohnt und oft mit dem Rad zum Hermes-Paketshop fährt. Sie schwärmt weiter: „Besonders gut gefällt mir die Weihnachtskrippe. Schade, dass ich schon eine habe“. Die Zoar-Werkstätten sind in Heidesheim und Umgebung bekannt; vor allem durch die regelmäßige Teilnahme an Märkten und Basaren. „Daher kenne ich auch die tollen, handgefertigten Krippenfiguren von Zoar“, so Andrea Mallmann weiter. Auf dem Gelände sei sie als Kind mal zum Minigolf-Spielen gewesen. Das ist lange her. Die Minigolf-Anlage wird heute nicht mehr genutzt. Dafür gibt es nun einen Hermes-Paketshop auf dem Betriebsgelände. „Ich finde das gut“, sagt sie. „So nimmt man den Leuten die Scheu, auf das Gelände zu kommen.“ Denselben inklusiven Zweck erfüllt die Zoar-Kindertagesstätte unter dem Dach des Rheinhessischen Diakonie-Zentrums. Die Eltern bringen ihre Kinder werktäglich zur Betreuung und Förderung. Und viele von ihnen verbinden das direkt mit einem Gang in den Hermes-Shop zum Pakete-Abgeben. „Ich mag es, wenn die Kinder mit dabei sind“, sagt Thomas Stumpf über die unterschiedlichen Kundengruppen. Das bringe Leben in den Arbeitsalltag. „Am eiligsten haben es die Leute, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit sind.“

Alexandra Koch | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Zoar | Oktober 2016
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