Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Rheinland-Pfalz e.V.
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Seite drucken   Aktuelles  |  Meldungen  |  16.07.2018

Gruppenfoto der Absolventen zusammen mit den Gästen nach der Zertifikatsvergabe (v.l.n.r. hinten) 
© Zoar
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Gemeinsam viel bewegen

Sieben Teilnehmer schlossen Zertifikatslehrgang „Fachhelfer/in in Sozialeinrichtungen (IHK)“ erfolgreich ab

In Wasems Kloster Engelthal in Ingelheim haben sieben Teilnehmer den Lehrgang „Fachhelfer/in in Sozialeinrichtungen (IHK)“, der in Kooperation des Evangelischen Diakoniewerks Zoar und der
Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen durchgeführt wurde, erfolgreich abgeschlossen. Zum Teil haben die Teilnehmer ein Praktikum in verschiedenen Einrichtungen oder eine Berufsbildungsmaßnahme über 27 Monate in einem Partnerbetrieb absolviert. Andere haben den
praktischen Teil des Lehrgangs an ihrem festen Werkstatt-Arbeitsplatz gemacht. Immer noch aufgeregt, aber glücklich über die gelungene Präsentation und das Abschlussgespräch nahmen die
Absolventen ihr Zertifikat entgegen. Viktor Wilpert Piel, Leiter des Geschäftsfelds Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, übergab die Urkunden zusammen mit Thomas
Kreck-Hövel, Regionalleiter Eingliederungshilfe Rhein-Nahe-Hunsrück. Auch die Lehrgangsleiterinnen, Ute Michel-Wickert und Nicole Knobloch vom Berufsbildungs- und Integrationsservice der ZoarWerkstätten Heidesheim, die auch während der Prüfungen ihren „Schützlingen“ zur Seite standen,
waren bei der Ehrung mit von der Partie und wussten zu jedem Teilnehmer eine „kleine Geschichte“ zu erzählen.
Über einen erfolgreichen Abschluss freuten sich Sarah Bohn, Kim-Lea Frackowiak, Benjamin Hassemer, Anna-Lena Hüter, Ines Müller, Rebekah Schmitt und Janosch Weber. Die zu dem Kurs gehörenden Praktika absolvierten sie bei verschiedenen Arbeitgebern beziehungsweise in
Praxisbetrieben. Dazu gehörten das Evangelische Diakoniewerk Zoar in Heidesheim und Rockenhausen, die „kreuznacher diakonie“ in Mainz, das Haus „St. Martin“ in Ingelheim, die Seniorenresidenz „Haus Gabriel“ in Saulheim, das AWO-Altenzentrum „Ursel-Distelhut-Haus“ in
Mainz und die Katholische Kindertagesstätte „St. Anton“ in Kaiserslautern.

Später gute Chancen im Bewerbungsgespräch

Das Prüfungskomitee bestand aus Viktor Wilpert Piel und zwei Dozentinnen, Nicole Knobloch und Ute Michel-Wickert. Claudia Wasem, die Eigentümerin von Wasems Kloster Engelthal, und Claudia Lörsch vom Weiterbildungszentrum in Ingelheim durften als Gäste Fragen stellen und Ideen einbringen. Claudia Wasem hat selbst Erfahrung mit einem Teilnehmer aus einem vergangenen Zertifikatskurs gesammelt und war mit dessen Arbeitsleistung zufrieden. Sie bekundete ihr Interesse,
auch weiterhin Menschen mit Beeinträchtigung ein Praktikum in ihrem Betrieb absolvieren zu lassen.Die Präsentation der einzelnen Fachthemen und das abschließende Fachgespräch dauerten für jeden
Prüfling fünfzehn bis zwanzig Minuten. „Herr Hassemer zum Beispiel war sehr aufgeregt, aber man hat es ihm nicht angemerkt. Er hat sich gut präsentiert und wird in einem zukünftigen Bewerbungsgespräch gute Chancen haben“, sagte Viktor Wilpert Piel. Thomas Keck-Hövel nannte das
Hauptziel der Weiterbildungsmaßnahme: die Übernahme in einen Betrieb des allgemeinen Arbeitsmarkts. Er begrüßte die Gäste und bedankte sich für deren Teilnahme bei Viktor Wilpert Piel, Harald Diehl vom Sozialministerium Rheinland-Pfalz, Gracia Schade, Behindertenbeauftragte im
Landkreis Mainz-Bingen, und Volker Conrad, Fachbereichsleiter Eingliederungshilfe der Kreisverwaltung Mainz-Bingen. Bei der Zertifikatsübergabe war auch Kurt Philipp, Fachbereichsleiter
der Eingliederungshilfe im Evangelischen Diakoniewerk Zoar anwesend. Thomas Kreck-Hövel stellte die Teilnehmer vor und bedankte sich bei den Mitarbeitern der Praxis-Betriebe, die die Umsetzung
er beruflichen Qualifikation überhaupt erst möglich machen. „Ich hinterfrage immer, ob das Ziel und der Zweck für die Absolventen erreicht werden, denn deren berufliche Entwicklung ist das Wichtigste“, sagte Prüfungsleiter Piel. Er sehe den Lehrgang als praxistaugliches, „lebendes Konzept“.
„Jeder hat Bammel vor der Prüfung, egal ob es ein studierter Doktor oder ein Mensch mit Beeinträchtigung ist“, sagt er aus Erfahrung. Er hält es für vorrangig wichtig, dass jeder Teilnehmer individuelle Unterstützung erhält. „Der Weg ist das Ziel“ sagte Viktor Wilpert Piel. „Wir gehen mit
diesem Konzept mit gutem Beispiel voran.“ Er erhofft sich für die Zukunft auch mögliche Zertifikatskurse für Flüchtlinge.

Geschichte mit symbolhaftem Wert

Harald Diehl vom Sozialministerium Rheinland-Pfalz gratulierte den Absolventen ebenfalls. „Sie haben alle eine tolle Leistung erbracht“, sagte er beeindruckt. Er begleitet das Projekt der Zertifikatslehrgänge für Menschen mit Beeinträchtigung seit fünf Jahren und unterstützt dieses mit
ideellem Wert. Volker Conrad von der Kreisverwaltung Mainz-Bingen erzählte eine Geschichte von einem Weingutbesitzer. Diese lautet wie folgt: Der Weinbauer suchte auf dem Marktplatz nach Menschen, die für ihn im Weinberg arbeiten. Einige von den Helfern arbeiteten den ganzen Tag und
andere nur eine Stunde, trotzdem sollten alle siebzig Euro dafür bekommen. Die Arbeiter, die den ganzen Tag fleißig waren, fanden das ungerecht. Der Weingutbesitzer sagte, dass er gerecht zu denen sei, die den ganzen Tag geholfen, und gütig zu denen, die nur eine Stunde gearbeitet haben.
„Ist es gerecht, dass Menschen mit Beeinträchtigung weniger Geld bekommen als Menschen ohne Beeinträchtigung?“, fragte Volker Conrad zum Abschluss seiner Rede. Die Absolventen bedankten
sich jeweils mit einem Blumenstrauß bei den Vertretern ihrer Praxisbetriebe. Zur Erinnerung an diesen wichtigen Prüfungstag bekamen sie von Regionalleiter Thomas Keck-Hövel ein Windlicht aus
bunten Häusern geschenkt. Genauso bunt wie das Zoar-Motto „Wir sind alle bunt“. Seit 2013 arbeiten die Zoar-Werkstätten Heidesheim mit der IHK für Rheinhessen zusammen. Menschen mit Unterstützungsbedarf werden im Rahmen verschiedener Zertifikatslehrgänge ausgebildet. Mit einem
zertifizierten IHK-Abschluss erlangen die Teilnehmer durch die erweiterten beruflichen Kompetenzen eine höhere Attraktivität für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Vier verschiedene Lehrgänge werden
mittlerweile angeboten: „Fachhelfer/in in Sozialeinrichtungen“, „Fachwerker/in Lagerorganisation“, „Fachhelfer/in für Gebäudeservice“ und „Fachhelfer/in für Gartenpflege“. Für die Lehrgänge können
sich zum Beispiel Absolventen von Förderschulen und Mitarbeiter einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung bewerben. Auch Personen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufgrund ihrer
Beeinträchtigung keine Anstellung finden, sind herzlich willkommen. Die Lehrgangsteilnehmer absolvieren in der Zeit der Kursdauer bei verschiedenen Arbeitgebern ein Praktikum. Der Lehrgang
beinhaltet 125 theoretische Unterrichtseinheiten und wird einmal pro Woche besucht. Die restlichen vier Tage verbringen die Teilnehmer in ihrem Betrieb.

Juli Hoffmann | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Zoar | 12. Juli 2018


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